Erfolgreich selbstständig in den Medien: Worauf Journalisten achten sollten
Die Medienlandschaft verändert sich rasant – digitale Angebote, Plattform-Journalismus und neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen Freiberuflern neue Chancen. Zugleich bleibt der Schritt in die Selbstständigkeit eine Herausforderung: Welche Finanzierungs- und Absicherungsoptionen gibt es? Wie sieht es mit Versicherungen und Steuern aus? Und gibt es Neuerungen ab 2026?
In diesem Beitrag finden Sie einen kompakten Überblick zu den wichtigsten Punkten, wenn Sie sich jetzt als Journalist oder Medienschaffender selbstständig machen möchten. Sie bekommen aber auch Tipps, wenn Sie bereits freiberuflich arbeiten.
Arbeitsmarkt: Neue Chancen durch digitale Medien
Ob Podcasts, Newsletter, Social Media oder Online-Portale: Der klassische Printjournalismus ist zwar nicht tot, aber immer stärker von digitalen Formaten geprägt. Für Freiberufler bedeutet das: Sie können ihre Arbeit ortsunabhängig anbieten und haben direkten Zugang zu potenziellen Auftraggebern in ganz Deutschland – oder weltweit.
Online-Portale nutzen
Plattformen für freie Autoren wie content.de, Textbroker oder Upwork, Online-Datenbanken für Medienschaffende wie Freischreiber oder Newsroom.de sowie Crowdfunding-Portale wie Startnext, Kickstarter oder Patreon sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen und sorgen dafür, dass das Risiko beim Sprung in die Selbstständigkeit etwas aufgefangen wird.
Trendthemen besetzen
Sie haben eine spezielle Expertise? Spezialisierte Nischen werden immer wichtiger – zum Beispiel für Nachhaltigkeitsthemen, Datenjournalismus, Tech-Reportagen oder Wissenschaftskommunikation. Wer sich in einem Bereich als Fachjournalist profilieren kann, hat oft bessere Chancen, langfristig Aufträge zu bekommen.
Nutzen Sie regelmäßig Beratungsangebote, um ihre Selbstständigkeit auf ein sicheres Fundament zu stellen.
Gründungszuschuss vom Arbeitsamt als Chance für die ersten Monate
Der Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit ist eine wichtige Option für angehende Selbstständige, wenn sie im Bezug von Arbeitslosengeld I (ALG I) stehen und ihre Anstellung endet(e) oder ausgelaufen ist. Die wesentlichen Voraussetzungen sind:
Mindestens ein Tag arbeitslos (ALG I-Bezug)
Nicht mehr als 10 Stunden wöchentlich nebenberuflich vor der Gründung gearbeitet
Ein Businessplan und eine positive fachkundige Stellungnahme zum Vorhaben
Bei Bewilligung wird das ALG I in den Gründungszuschuss überführt. Zusätzlich erhalten Sie in der Regel 300 Euro pro Monat für sechs Monate – eine Verlängerung ist möglich, sofern Sie Ihre Geschäftsentwicklung nachweisen und die Agentur für Arbeit zustimmt.
Wichtig zu wissen: Auch 2026 liegt die finale Entscheidung im Ermessen des Sachbearbeiters. Daher gilt:
Sorgfältige Vorbereitung Ihres Gründungsplans
Abstimmung mit Ihrer Arbeitsagentur, insbesondere zu den Fristen
Was Sie für den Antrag zum Gründungszuschuss brauchen
Bewilligung von ALG I
Businessplan inkl. Finanzplanung
Lebenslauf
Fachkundige Stellungnahme (z. B. von IHK, Verbänden wie dem DJV oder Beratungsstellen)
Nachweise über fachliche Qualifikationen
Bestätigung des Finanzamts über die Anmeldung der Freiberuflichkeit oder Selbstständigkeit
Künstlersozialkasse (KSK): Schlüssel zur Sozialversicherung
Für freiberufliche Journalisten bleibt die Künstlersozialkasse (KSK) eine der wichtigsten Institutionen, um sich als Selbstständiger gesetzlich abzusichern. Die KSK übernimmt den Arbeitgeber-Anteil zur gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung, sodass Sie nur den halben Beitrag zahlen müssen. Der Rest wird über Zuschüsse des Bundes und eine Abgabe von Verwertern wie Medienhäusern finanziert.
Was hat sich bei der KSK geändert?
Digitale Verwertung: Ab 2024/2025 ist auch die Verwertung von künstlerischen und publizistischen Werken via Streaming-Plattformen stärker in die KSK-Abgabepflicht einbezogen. Das kann den Kreis der „verwertenden Unternehmen“ erweitern.
Neue Melde- und Prüfverfahren: Um Scheinselbstständigkeit zu vermeiden, sind die Prüfungen strenger geworden. Achten Sie auf eine saubere Dokumentation Ihrer Einnahmen und Ausgaben.
Beitragsberechnung der KSK
Die Basis der Beitragsberechnung der KSK bleibt das Jahresarbeitseinkommen (Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben). Achten Sie darauf, realistisch zu planen: Zu hohe Schätzungen erhöhen Ihre Beiträge unnötig; zu niedrige Angaben können später zu Nachzahlungen führen.
Berufsunfähigkeitsvorsorge: Risiken nicht unterschätzen
Wer freiberuflich und selbstständig arbeitet, trägt das volle finanzielle Risiko beim Ausfall der eigenen Arbeitskraft. Folgende Punkte sind wichtig:
Erwerbsminderungsrente als KSK-Mitglied: Sie zahlen als KSK-Mitglied in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Dadurch erwerben oder erhalten Sie grundsätzlich einen Anspruch auf die Erwerbsminderungsrente. Allerdings kann ein geringes gemeldetes Arbeitseinkommen dazu führen, dass die gesetzlichen Leistungen später sehr niedrig ausfallen.
Außerhalb der KSK: Wer nicht (mehr) in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, verliert nach zwei Jahren den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente.
Berufsunfähigkeitsversicherung besonders wichtig
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung über die Presse-Versorgung bleibt das wichtigste Instrument, um sich vor Einkommensausfällen zu schützen. Wichtig ist, eine sinnvolle Versicherungssumme zu wählen. Obwohl gerade in den ersten Jahren der Selbstständigkeit die Beiträge oft knapp kalkuliert sein müssen, gilt hier: wer zu spät oder mit Vorerkrankungen einsteigt, zahlt mehr.
Altersvorsorge: Mit Maß, aber zielgerichtet starten
Die Planung des Ruhestands mag in der Anfangsphase der Selbstständigkeit nicht oberste Priorität haben, trotzdem sollten Sie die Fragen dazu nicht zu lange aufschieben. So kann eine gute Altersvorsorge schrittweise gelingen:
Kleine Schritte: Beginnen Sie mit niedrigeren Beiträgen, um sich in den ersten Jahren finanziellen Spielraum zu sichern.
Langfristig aufstocken: Sobald das Geschäft stabil läuft, ist es ratsam, die Altersvorsorge zu erhöhen und die passenden Instrumente wie eine private Rentenversicherung oder eine Rürup-Rente zu prüfen.
Flexibilität: Achten Sie auf Verträge, die bei Bedarf angepasst werden können, falls sich Ihre Einnahmen ändern. Das ist selbstverständlich bei der Presse-Versorgung möglich. Lassen Sie uns dazu gerne sprechen!
Steuern und Finanzen: Rücklagenbildung als A & O
Steuerliche Vorauszahlungen wie die Umsatzsteuer, Einkommensteuer und möglicherweise auch Gewerbesteuer, wenn Sie kein Freiberufler sind, können gerade in den ersten Gründungsjahren zu einer bösen Überraschung werden. Bilden Sie daher genügend Rücklagen. Es gibt auch Anbieter von Geschäftskonten wie etwa Kontist, die Ihnen bei dieser Planung helfen. Ziehen Sie auch Fachleute wie Steuer- oder Finanzberater in diesen Fragen hinzu.
Wichtig: Wir führen keine Steuerberatungen durch, sondern unterstützen Sie in allen Fragen rund um das Thema Altersvorsorge und finanzielle Absicherung.
Der Austausch unter Kollegen ist immer wichtig, aber besonders in der Anfangszeit der Selbstständigkeit.
Beratung und Netzwerke: Nutzen Sie alle Ressourcen
Bundesagentur für Arbeit
Lassen Sie sich ausführlich beraten, wenn Sie den Gründungszuschuss beantragen wollen.
Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer Ansprechperson und holen Sie sich alle Formulare.
Verbände und Gewerkschaften
Deutscher Journalisten-Verband (DJV), ver.di oder Freischreiber: Sie bieten eigene Gründerworkshops, Rechtsberatung und Vernetzungsplattformen, die gerade in der Anfangszeit enorm hilfreich sind.
IHK und Wirtschaftsförderung
Die Industrie- und Handelskammer bietet in vielen Städten kostenlose Gründungsberatungen an – von der Businessplan-Erstellung bis hin zu steuerlichen Themen.
Versicherungs- und Vorsorgeberatung der Presse-Versorgung
Gerade bei komplexen Themen wie der Berufsunfähigkeits- und Altersvorsorge lohnt es sich, Fachleute hinzuzuziehen. Wir bringen Licht ins Dunkel bei allen Fragen rund um die Altersvorsorge und eine Berufsunfähigkeitsversicherung.
Außerdem helfen wir Ihnen dabei, dass Sie sich und ihre Liebsten sinnvoll finanziell absichern. Das ist auch in den ersten Jahren der Selbstständigkeit möglich! Melden Sie sich jederzeit!
Fazit: Gut vorbereitet in die Selbstständigkeit starten
2026 bietet für Journalisten und Medienschaffende viele neue Möglichkeiten, ihre Arbeit digital und flexibel zu gestalten. Gleichzeitig bleiben die klassischen Herausforderungen bestehen: Sie brauchen einen tragfähigen Businessplan, müssen sich proaktiv um Versicherungen und Vorsorge kümmern und sollten beim Thema Finanzen und Altersvorsorge akribisch planen.
Wer frühzeitig die Künstlersozialkasse in seine Überlegungen einbezieht, eine vernünftige Berufsunfähigkeitsabsicherung abschließt und genügend Rücklagen für Steuern und die Altersvorsorge bildet, legt den Grundstein für eine erfolgreiche selbstständige Karriere in den Medien.
Mein persönlicher Rat für Sie
Tauschen Sie sich mit Kollegen aus, nutzen Sie Beratungsangebote und gehen Sie das Thema Vorsorge nicht zu spät an. Wenn Sie Fragen zu Ihrer individuellen Absicherung oder Altersvorsorge haben, stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Gemeinsam schaffen wir eine solide Basis für Ihren Start in die Selbstständigkeit!
Sie gilt als eine der wichtigsten Absicherung für schwierige Zeiten: die Berufsunfähigkeitsversicherung. Niemand denkt gerne an Notlagen, dennoch ist es wichtig, für diese Situationen die richtige Vorsorge zu haben. Wir haben fünf Gründe aufgelistet, warum Sie über eine Berufsunfähigkeitsversicherung – kurz BU – nachdenken sollten.
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An zwei Beispielen zeigen wir in unserem Artikel, wie teuer es vor allem für freiberufliche Journalist:innen wird, wenn sie sich zu spät um eine private Altersvorsorge kümmern. Wir rechnen vor, was ein 35-Jähriger und was ein 50-Jähriger für eine Privatrente zahlen müsste, um die gesetzliche Rente aufzustocken.
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Es ist zwar keine Neuigkeit, aber dennoch eine erschreckende Nachricht: Noch 2020 verdienten Frauen durchschnittlich 18 Prozent weniger je Stunde als Männer – in Westdeutschland fiel die Differenz sogar mit 20 Prozent deutlich höher aus als im Osten (sechs Prozent). Diese Ungleichheit hat große Auswirkungen aufs Alter. Eine private Absicherung für den Ruhestand ist daher besonders für Frauen wichtig. Die Presse-Versorgung bietet unter anderem mit dem Familienkonzept eine Lösung.
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